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Das Instrument Jug zu erlernen und zu spielen, kann uns einiges über das Leben selbst lehren. Wir können zu einer inneren Haltung gelangen, die uns bewusster und offener sein lässt.

 

Das Jug ist ein Blasinstrument, ein „Aerophon“ (also ein „Luftklinger“), und ein wesentlicher Teil der Gestaltung der Jug Music besteht darin, bewusst zu atmen und sich darüber im Klaren zu sein, wie der Atem geführt und eingesetzt wird. Die Atemluft bringt den Ton zum Leben, wie der Lebensatem auch uns lebendig sein lässt. Dabei ist ein wesentlicher Bestandteil, den Lebensatem einzulassen und rauszulassen. Es ist wie ein Gleichgewicht von Nehmen und Geben. Du musst dir das nehmen, was du brauchst, um lebensfähig zu sein, aber es nützt nichts, zu viel zu haben oder es zurück zu halten, sondern es wieder abzugeben. Die Konzentration auf den Atem kann uns (wieder) zu unserer inneren Mitte führen, kann uns helfen, uns unserer Lebensenergie bewusster zu werden.

 

Der ausströmende Atem versetzt die Lippen in Schwingungen, durch ihr Vibrieren entsteht überhaupt erst ein Ton. So ist auch die Muskulatur maßgeblich an der Musik beteiligt. Es ist ein Wechsel von Anspannen und Entspannen. Dabei sind nicht nur die Lippenmuskeln beteiligt, sondern auch die Muskeln der Atmung, der Hände und Arme und der Körperhaltung. Ein Musikinstrument zu beherrschen, ist immer eine Frage der Körperbeherrschung. Wie ein Athlet oder ein Akrobat auf seinen Körper achtet und sein Augenmerk darauf richtet, genügend Ausdauer und körperliche Leistungsfähigkeit zu haben, so ist das Musizieren auch immer mit Körperbewusstsein verbunden. Als Jug-Spieler geht es dir genauso. Du kannst deine musikalische Ausdrucksfähigkeit verbessern, wenn du achtsam bist mit deinem Körper, wenn du weißt, wie du deinen Körper fit hältst und stärkst und wenn du dir bewusst bist, dass Musik immer mit allen Sinnen und mit allen Fasern deines Körpers zu tun hat.

 

 

Natürlich spielt das Gehör beim Blasen des Jugs eine elementare Rolle. Dabei kann es auf kleinste Schwingungen ankommen, um die Intonation zu halten und zu harmonieren. Die Fähigkeit, beim Musizieren zuzuhören, überträgt sich auch auf dein ganzes Leben. Dir gelingt es besser, anderen Menschen zuzuhören, aufeinander zu hören und kleinste Schwingungen wahrzunehmen. Das im Alltag zu schulen, kann dir bei der Musik helfen und umgekehrt. Gleiches gilt für den Rhythmus. Der Rhythmus gibt nicht nur der Musik eine Struktur und Gleichmäßigkeit. Wenn du Rhythmus-Übungen mit dem Jug machst, kann das auch dein Taktgefühl schärfen.

 

Wenn du in einer Band spielst, kommt es darauf an, aufeinander zu hören und das Gefühl zu bekommen, etwas miteinander zu gestalten, gemeinsam an einem „Kunstwerk“ zu arbeiten. Das geschieht immer in der Balance von „sich durchsetzen“ und „sich zurücknehmen“. Mal bist du in der Rolle dessen, der andere begleitet, mal spielst du ein Solo und stehst im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Aber immer ist es ein Vorhaben der Gruppe. Es ist einfacher, mit deinen Band-Kollegen, die du kennst, in vertrauter Umgebung zu spielen als bei einer Jam Session unter erstmal nicht vertrauten Bedingungen mit anderen Leuten zu spielen, mit denen du vorher noch nie Musik gemacht hast. Aber auch da ist es wichtig, sich aufeinander einzustellen und zu versuchen, nicht vorhersehbare Situationen zu meistern. Du wirst sehen, dass das ausgesprochen motivierend sein kann. Wenn diese Jam Session „euer“ gemeinsames Projekt ist und ihr das „Miteinander gestalten“ im Blick habt, kann das sehr beglückend sein. Dazu gehört auch, dass es bei Jug Band Music ja nicht nur darauf ankommt, etwas Vorgegebenes nachzuspielen, sondern v.a. darauf, etwas selbst zu entwickeln, durch Improvisieren die musikalische Idee des Lieds oder des Stücks weiterzutreiben und fortzuschreiben. Du gehst dann kreativ mit dem um, was schon da war und führst es fort.

 

 

Grundsätzlich ist das Jug-Blasen gekennzeichnet vom engen Zusammenspiel von Körper und Geist. Neben der körperlichen Kondition ist die Vorstellung vom Klang des Tons von entscheidender Bedeutung. Wie du dir den Ton vorstellst, wird er schließlich klingen. Du bist eigenverantwortlich für die Schönheit des Klangs. Du hast es in deiner Hand, wie du spielst, du entscheidest, wie du deine Talente nutzt, um besser zu werden. Es ist an dir, dich auch mal an schwerere musikalische „Kost“ zu wagen, das zu erarbeiten und stetig besser zu werden bzw. deinen Stand zu halten. Auch so kannst du an den dir gestellten Aufgaben wachsen.

 

 

Jug Band Music zeichnet sich dadurch aus, dass sie mitten im Leben steht, sie ist bodenständig und dabei ganz nah am Menschen. Es geht nicht um irgendwelche abstrakten Begriffe, sondern um das Leben hier und jetzt, es geht um menschliche Beziehungen, um die Gestaltung des Lebens mit all seinen Freuden, Ängsten und Unwägbarkeiten. Oft diente Jug Band Music als Ventil, das half, äußeren Druck abzubauen. Viele Musiker der ersten Stunde sahen sich oft äußeren Zwängen oder Unterdrückung ausgesetzt, weil die gesellschaftlichen Verhältnisse es nicht zuließen, dass sie in gleicher Weise am Leben teilhaben konnten wie ihre weißen Mitbürger. Jug Band Music trug dazu bei, sich einen Freiraum zu schaffen. Oft sind die Liedtexte zweideutig und haben eine deutliche sexualisierte Konnotation (grade bei dem, was man als „Hokum Blues“ kennt). Das mag ebenfalls als Ventil gedient haben.

 

Die Beschäftigung mit dem Jug kann dich auf deinem Lebensweg weiter führen, sie kann dir neue Impulse geben und neue Denkanstöße und eine neue Selbstwahrnehmung ermöglichen. Du kannst achtsamer mit dir umgehen und eine Möglichkeit entdecken, andere Menschen an deinem Leben teilhaben zu lassen. Es ist jetzt an dir, die ersten Schritte zu gehen. Alles Gute für deinen Weg!